Immobilien in Großstädten

Kaufen Wohnung Augsburg: Investitionen

Wer in Augsburg eine Wohnung kaufen will, um sie zu vermieten, erfährt hier Ablauf, Kaufnebenkosten und Renditefallen einer soliden Kapitalanlage.

Autor
Jonas Brandt
Veröffentlicht
Kategorie
Immobilien in Großstädten
Lesezeit
6 Min.
Kaufen Wohnung Augsburg: Investitionen

Wer in Augsburg eine Wohnung kaufen will, um sie zu vermieten, sollte den Kauf von Anfang an als Investitionsentscheidung planen und nicht wie den Erwerb der eigenen vier Wände angehen. Anders als beim Eigenbedarf zählen bei der Kapitalanlage vor allem Mietrendite, Lage für Mieter und die laufenden Kosten der Eigentümergemeinschaft – nicht der persönliche Geschmack. Dieser Artikel geht gezielt auf den Investitionsfall ein: welche Schritte in welcher Reihenfolge anstehen, wie sich die Rendite realistisch berechnen lässt, mit welchen Kosten Sie kalkulieren müssen und ob eine Eigentumswohnung oder ein Haus die passendere Wahl ist, wenn Sie in Augsburg als Kapitalanleger einsteigen.

Schritt für Schritt: So läuft der Kauf als Kapitalanlage ab

Der Ablauf unterscheidet sich technisch kaum vom klassischen Erwerb, nur dass Sie jeden Schritt zusätzlich mit dem Blick eines Vermieters prüfen sollten.

  1. Finanzierungsrahmen klären: Banken verlangen bei einer vermieteten oder zur Vermietung bestimmten Wohnung oft mehr Eigenkapital als bei Eigennutzung, rechnen dafür aber einen Teil der künftigen Mieteinnahmen an. Klären Sie das Budget vor der Suche, nicht danach.
  2. Suchgebiet eingrenzen: Wer eine Wohnung zu kaufen sucht, um sie zu vermieten, sollte gezielt nach Vermietbarkeit filtern – Nähe zu Universität, Innenstadt, größeren Arbeitgebern oder guter ÖPNV-Anbindung erhöht die Nachfrage spürbar.
  3. Besichtigung mit Investorenblick: Grundriss, Energieausweis und Zustand des Gemeinschaftseigentums entscheiden über künftige Nebenkosten und damit über die Attraktivität für Mieter.
  4. WEG-Unterlagen anfordern: Teilungserklärung, die letzten drei Protokolle der Eigentümerversammlung, aktueller Wirtschaftsplan und Höhe der Instandhaltungsrücklage gehören vor jedem Angebot auf den Tisch.
  5. Kaufvertragsentwurf prüfen lassen: Bei bereits vermieteten Wohnungen gilt der Grundsatz „Kauf bricht nicht Miete“ – das bestehende Mietverhältnis geht auf Sie über, inklusive Kündigungsschutz des Mieters.
  6. Notartermin, Grundbucheintrag, Übergabe: Klären Sie vor der Beurkundung ausdrücklich, ob die Wohnung leer oder vermietet übergeben wird – das ändert Kalkulation und Zeitplan erheblich.

Der häufigste Fehler an dieser Stelle: Interessenten unterschreiben eine Reservierung, bevor die WEG-Protokolle vorliegen, und entdecken erst später einen anstehenden Sanierungsstau am Dach oder in der Heizungsanlage.

Rendite realistisch berechnen: Welche Kennzahl zählt wirklich?

Für eine erste Einschätzung genügt der Kaufpreisfaktor: Kaufpreis geteilt durch die Jahreskaltmiete. Eine Wohnung für 300.000 Euro mit 900 Euro Kaltmiete im Monat, also 10.800 Euro im Jahr, ergibt einen Faktor von etwa 27,8 und eine Bruttorendite von rund 3,6 Prozent.

Diese Beispielrechnung dient nur der Orientierung – prüfen Sie für ein konkretes Objekt immer die tatsächlich erzielbare Miete anhand des aktuellen Mietspiegels der Stadt Augsburg, nicht anhand der Wunschmiete im Exposé. Zentrale Lagen und begehrte Stadtteile erreichen höhere Faktoren und damit niedrigere Bruttorenditen, dafür sinkt dort das Leerstandsrisiko. Randlagen bieten oft niedrigere Faktoren, verlangen aber eine genauere Prüfung der Mieternachfrage vor Ort.

Für die Nettorendite ziehen Sie von der Jahreskaltmiete alle nicht umlagefähigen Kosten ab – Instandhaltungsrücklage, Verwaltervergütung, ein kalkulatorisches Mietausfallwagnis von üblicherweise ein bis zwei Monatsmieten pro Jahr sowie die Finanzierungskosten. Erst diese Zahl zeigt, ob sich eine Wohnung wirklich rechnet.

  • Bruttorendite = Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis × 100
  • Nettorendite = (Jahreskaltmiete − nicht umlagefähige Kosten) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten) × 100

Ein verbreiteter Fehler ist, die Nettorendite mit der Bruttorendite zu verwechseln oder die Kaufnebenkosten bei der Berechnung ganz zu unterschlagen – dadurch wirkt jede Wohnung auf dem Papier attraktiver, als sie es in der Praxis ist.

Kaufnebenkosten und laufende Kosten für Kapitalanleger

Wer eine Wohnung in Augsburg kaufen möchte, muss die Kaufnebenkosten von Anfang an in die Finanzierung einrechnen – sie werden von Banken in der Regel nicht mitfinanziert.

KostenpunktTypische Größenordnung
Grunderwerbsteuer (Bayern)derzeit 3,5 Prozent des Kaufpreises
Notar und Grundbuchetwa 1,5 bis 2 Prozent
Maklerprovisionregional unterschiedlich, oft mehrere Prozent zzgl. Mehrwertsteuer
Summe Kaufnebenkostenhäufig zwischen 9 und 12 Prozent

Genaue Sätze und die Aufteilung der Maklerprovision zwischen Käufer und Verkäufer sollten Sie vor Vertragsunterschrift lokal und aktuell prüfen, da sich Regelungen ändern können.

Zu den laufenden Kosten gehört das monatliche Hausgeld, das sich in einen auf den Mieter umlagefähigen Teil (Heizung, Wasser, Müll) und einen nicht umlagefähigen Teil (Instandhaltungsrücklage, Verwaltervergütung) aufteilt. Nur der nicht umlagefähige Anteil schmälert Ihre Rendite direkt. Zusätzlich sollten Sie eine Rücklage für Sonderumlagen einplanen, die eine Eigentümerversammlung für größere Reparaturen am Gemeinschaftseigentum beschließen kann – ein Punkt, der Kapitalanleger regelmäßig überrascht, wenn sie die WEG-Protokolle vorab nicht sorgfältig gelesen haben. Steuerliche Aspekte wie die lineare Abschreibung auf den Gebäudeanteil können die Rendite verbessern, gehören aber in die Hände eines Steuerberaters, nicht in eine pauschale Rechnung aus dem Internet.

Wohnung oder Haus als Kapitalanlage in Augsburg?

Wer statt einer Eigentumswohnung ein Haus kaufen möchte, findet in Augsburg vor allem im Umland und in Randlagen größere Grundstücke, muss dafür aber deutlich mehr Kapital einsetzen und übernimmt die komplette Instandhaltung selbst, ohne eine Eigentümergemeinschaft, die Kosten und Verantwortung mitträgt.

Eine Eigentumswohnung hat für Einsteiger in die Kapitalanlage mehrere Vorteile: geringerer Kapitaleinsatz, überschaubarere Instandhaltung, weil die Verwaltung des Gemeinschaftseigentums organisiert ist, und meist eine breitere Mieternachfrage in zentralen Lagen wie der Innenstadt, dem Univiertel oder gut angebundenen Stadtteilen. Der Nachteil: Sie haben bei Entscheidungen über Sanierungen nur ein Stimmrecht unter vielen und tragen Sonderumlagen mit, auch wenn Sie sie nicht befürworten.

Wer stattdessen ein Haus in Augsburg kaufen möchte, um es zu vermieten, sollte bedenken, dass klassische Einfamilienhäuser häufiger von Eigennutzern nachgefragt werden als von Mietinteressenten und dadurch bei Leerstand länger auf einen passenden Mieter warten können. Attraktiver für reine Kapitalanleger sind oft Mehrfamilienhäuser, weil sich das Mietausfallrisiko auf mehrere Parteien verteilt – allerdings mit entsprechend höherem Kaufpreis und Verwaltungsaufwand.

Für die meisten privaten Kapitalanleger, die erstmals in den Augsburger Markt einsteigen, ist die vermietete oder gut vermietbare Eigentumswohnung der pragmatischere Einstieg; das Haus als Kapitalanlage lohnt sich eher für Anleger mit mehr Eigenkapital und Bereitschaft zu aktivem Objektmanagement.

Typische Fehler, die Kapitalanleger in Augsburg vermeiden sollten

  • WEG-Protokolle ignorieren: Wer die letzten Versammlungsprotokolle nicht liest, übersieht oft anstehende Sanierungen und die reale Höhe künftiger Sonderumlagen.
  • Rendite auf Basis der Angebotsmiete rechnen: Realistisch ist nur die Miete, die sich anhand des örtlichen Mietspiegels tatsächlich durchsetzen lässt.
  • Lage ohne Zielgruppe wählen: Eine Wohnung nahe der Hochschule spricht andere Mieter an als eine Familienwohnung in ruhiger Randlage – Grundriss und Ausstattung sollten zur erwarteten Mieterschaft passen.
  • Nicht umlagefähige Kosten unterschätzen: Verwaltervergütung und Instandhaltungsrücklage mindern die Rendite, auch wenn sie im Exposé selten hervorgehoben werden.
  • Keine Rücklage für Leerstand einplanen: Auch in gefragten Lagen entstehen zwischen zwei Mietverhältnissen Lücken, die die Kalkulation abfedern muss.
  • Bestehendes Mietverhältnis rechtlich nicht prüfen: Kündigungsschutz und vereinbarte Konditionen gehen beim Eigentümerwechsel unverändert auf Sie über.

Die meisten dieser Fehler entstehen unter Zeitdruck, wenn Interessenten ein vermeintlich gutes Angebot schnell sichern wollen. Eine gründliche Prüfung kostet ein paar Tage – ein Fehlkauf kostet Jahre.

Fazit

Eine Wohnung in Augsburg als Kapitalanlage zu kaufen, lohnt sich vor allem dann, wenn Finanzierung, Rendite und Kaufnebenkosten vor der Unterschrift sauber durchgerechnet sind und die WEG-Unterlagen keine bösen Überraschungen bergen. Wer statt einer Wohnung ein Haus kaufen möchte, sollte den höheren Kapitaleinsatz und die eigenständige Instandhaltung realistisch einplanen. In beiden Fällen gilt: Nicht die Wunschrendite aus dem Exposé zählt, sondern die Zahl, die nach Abzug aller Kosten tatsächlich übrig bleibt. Für die rechtliche und steuerliche Detailprüfung Ihres konkreten Kaufobjekts sollten Sie zusätzlich einen Notar, Fachanwalt oder Steuerberater hinzuziehen.

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