Immobilien in Großstädten

Hamburg kaufen Wohnung: Alle Optionen

In Hamburg eine Wohnung kaufen: Dieser Ratgeber zeigt alle Optionen von Neubau über Bestand bis Genossenschaft, Kosten und typische Fehler.

Autor
Lukas Hartmann
Veröffentlicht
Kategorie
Immobilien in Großstädten
Lesezeit
6 Min.
Hamburg kaufen Wohnung: Alle Optionen

Wer in Hamburg eine Wohnung kaufen möchte, kann das auf mehreren Wegen tun: als Neubau direkt vom Bauträger, als Bestandsimmobilie über Makler oder privat, per Zwangsversteigerung, als Genossenschaftsanteil oder auf einem Erbpachtgrundstück. Jede Variante hat eigene Kosten, Fristen und Risiken. Dieser Text ordnet die einzelnen Kaufwege ein und zeigt, worauf Käuferinnen und Käufer bei jedem einzelnen achten sollten.

Neubau oder Bestand – die erste Weichenstellung

Vor jeder konkreten Entscheidung steht die Frage, ob die Wohnung neu gebaut oder gebraucht sein soll. Beide Wege führen in Hamburg zum Eigentum, unterscheiden sich aber erheblich im Ablauf und im Risiko.

Beim Neubau kauft man in der Regel vom Bauträger, oft schon vor Fertigstellung. Der Kaufpreis wird nicht sofort komplett fällig, sondern in Raten nach Baufortschritt gezahlt – das regelt die Makler- und Bauträgerverordnung. Vorteile sind ein zeitgemäßer energetischer Standard und keine unmittelbare Sanierungspflicht. Der Nachteil: Der Quadratmeterpreis liegt in Hamburg für Neubauwohnungen meist deutlich über dem für vergleichbare Bestandsobjekte, und es besteht ein Fertigstellungsrisiko, falls der Bauträger in Schwierigkeiten gerät.

Beim Bestandskauf übernimmt man eine bereits existierende Wohnung, oft mit Bestandsmietern oder sofort bezugsfertig. Hier lohnt sich ein genauer Blick in die Teilungserklärung, die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen und die Höhe der Instandhaltungsrücklage. Ein häufiger Fehler ist es, diese Unterlagen zu überfliegen statt sie tatsächlich zu prüfen – gerade bei Altbauten in Eimsbüttel oder Ottensen können anstehende Dach- oder Fassadensanierungen hohe Sonderumlagen auslösen, die im Kaufpreis nicht sichtbar sind.

Eine pauschale Empfehlung für Neubau oder Bestand gibt es nicht. Wer selbst einziehen will und wenig Zeit für Renovierungen hat, ist mit Neubau oft besser bedient; wer eine Kapitalanlage sucht und Wert auf gewachsene Lage legt, findet im Bestand meist die bessere Rendite je eingesetztem Euro.

Über welchen Kaufweg? Makler, privat oder direkt vom Bauträger

Neben der Objektart entscheidet sich auch, über welchen Kanal man die Wohnung findet und abschließt. Das beeinflusst vor allem die Nebenkosten und den Verhandlungsspielraum.

  • Über einen Makler: Die meisten Angebote in Hamburg laufen über Immobilienmakler. Beim Verkauf von Wohn- und Einfamilienhäusern ist die Maklerprovision üblicherweise zwischen Käufer und Verkäufer zu teilen; die genaue Höhe und Ausgestaltung sollte man sich vor Vertragsunterschrift schriftlich bestätigen lassen, da sich Regelungen ändern können.
  • Privatverkauf: Ohne Makler entfällt die Provision, dafür trägt man die gesamte Prüfung selbst – von der Bonität des Verkäufers bis zur technischen Substanz der Wohnung. Der Notarvertrag ist trotzdem zwingend, da ein Immobilienkauf in Deutschland ohne notarielle Beurkundung nicht wirksam wird.
  • Direkt vom Bauträger: Bei Neubauprojekten reserviert man die Wohnung meist zunächst gegen eine Reservierungsgebühr, bevor der eigentliche Kaufvertrag notariell beurkundet wird. Wichtig ist, dass diese Gebühr rechtlich nicht bindend sein darf, ohne dass der spätere Vertragsabschluss garantiert ist – ein Punkt, den man vor Zahlung klären sollte.

Ein verbreiteter Fehler bei allen drei Wegen ist, sich von der Marktdynamik zu Eile drängen zu lassen. Wer in gefragten Lagen wie der HafenCity oder Winterhude eine Wohnung kaufen will, spürt oft Zeitdruck durch mehrere Interessenten – trotzdem sollte die Due-Diligence-Prüfung (Grundbuch, Teilungserklärung, Energieausweis) nicht verkürzt werden, nur um schneller zuzuschlagen.

Sonderwege: Zwangsversteigerung, Genossenschaft und Erbpacht

Neben dem klassischen Kauf gibt es in Hamburg drei Sonderformen, die günstiger wirken, aber jeweils eigene Bedingungen mitbringen.

Bei einer Zwangsversteigerung kann eine Wohnung deutlich unter dem Marktwert erworben werden, weil der Verkauf über das Amtsgericht abläuft. Käufer müssen vor dem Termin eine Sicherheitsleistung von in der Regel zehn Prozent des Verkehrswerts hinterlegen und tragen ein höheres Risiko, da eine Innenbesichtigung oft nicht möglich ist und keine Gewährleistung für Mängel besteht. Dieser Weg eignet sich vor allem für Käufer mit Erfahrung und finanziellem Puffer, nicht als Einstieg in den ersten Wohnungskauf.

Eine Genossenschaftswohnung ist rechtlich kein klassisches Eigentum: Man erwirbt einen Genossenschaftsanteil und damit ein dauerhaftes Nutzungsrecht, nicht den Grundbucheintrag als Eigentümer. Der Einstiegspreis ist meist niedriger als bei einer vergleichbaren Eigentumswohnung, dafür ist ein späterer Weiterverkauf an Regeln der Genossenschaft gebunden und die freie Vermietung in der Regel eingeschränkt. Wer vor allem Wohnkosten stabil halten will und keine klassische Kapitalanlage sucht, findet hier in Hamburg durchaus attraktive Angebote.

Beim Erbbaurecht (Erbpacht) kauft man nur das Gebäude beziehungsweise die Wohnung, während das Grundstück weiterhin einem Erbbaurechtgeber gehört und dafür ein jährlicher Erbbauzins fällig wird. Der Kaufpreis liegt dadurch niedriger, doch Banken finanzieren Erbpachtobjekte teils zurückhaltender, und beim Weiterverkauf sinkt der erzielbare Preis mit abnehmender Restlaufzeit des Erbbaurechts. Vor dem Kauf lohnt sich ein Blick auf die verbleibende Vertragslaufzeit und die Anpassungsklauseln für den Erbbauzins.

Kaufen oder erst einmal mieten?

Nicht jeder, der sich mit dem Gedanken an eine eigene Wohnung trägt, ist sofort kaufbereit. Wer noch unsicher ist, in welchem Stadtteil er langfristig leben möchte, kann eine Wohnung in Hamburg zunächst mieten und das Viertel im Alltag testen, bevor eine so große finanzielle Entscheidung fällt.

Der Vergleich zwischen Miete und Kauf lohnt sich vor allem finanziell: Eine monatliche Kaltmiete ist meist niedriger als die Kreditrate für eine vergleichbare Wohnung, dafür baut sie kein Vermögen auf. Beim Kauf kommen zusätzlich einmalige Erwerbsnebenkosten hinzu, die bei einer Anmietung entfallen. Wer sich noch nicht sicher ist, ob Hamburg langfristig der richtige Wohnort ist, spart sich mit einer Mietwohnung die hohen Transaktionskosten eines zu frühen Kaufs und Wiederverkaufs.

Allerdings ist der Hamburger Mietmarkt in vielen Lagen ebenfalls angespannt, sodass auch die Suche nach einer passenden Mietwohnung Zeit und Geduld erfordert. Wer sich für diesen Zwischenschritt entscheidet, sollte realistisch einplanen, dass eine gute Mietwohnung in gefragten Stadtteilen ähnlich viele Besichtigungen und Bewerbungen erfordern kann wie die Suche nach einer Kaufwohnung.

Ein Mittelweg für Unentschlossene ist, den Kauf einer selbstgenutzten Wohnung zu verschieben, aber parallel schon Eigenkapital anzusparen und die Finanzierungssituation mit der eigenen Bank oder einem unabhängigen Berater zu klären. So ist man handlungsfähig, sobald die passende Wohnung und die passende Lebenssituation zusammenkommen.

Finanzierung und Nebenkosten, die bei jeder Option anfallen

Unabhängig davon, welchen Kaufweg man wählt, tauchen bestimmte Kostenblöcke immer wieder auf. Wer sie unterschätzt, gerät oft erst kurz vor der Beurkundung in Finanzierungsstress.

  • Grunderwerbsteuer: In Hamburg wird beim Wohnungskauf Grunderwerbsteuer fällig; der genaue Satz ändert sich gelegentlich und sollte vor der Kaufentscheidung beim Finanzamt oder Notar aktuell erfragt werden.
  • Notar- und Grundbuchkosten: Diese liegen üblicherweise zusammen bei etwa anderthalb bis zwei Prozent des Kaufpreises und sind unabhängig vom Kaufweg immer fällig, da der Kaufvertrag notariell beurkundet werden muss.
  • Maklerprovision: Fällt nur an, wenn ein Makler beteiligt ist, kann aber je nach Vereinbarung mehrere Prozentpunkte ausmachen und sollte frühzeitig im Budget berücksichtigt werden.
  • Eigenkapital: Banken verlangen für eine solide Finanzierung meist einen nennenswerten Eigenkapitalanteil, oft zusätzlich zu den kompletten Erwerbsnebenkosten. Wer zu knapp kalkuliert, riskiert eine Ablehnung oder ungünstige Kreditkonditionen.

In Summe liegen die Kaufnebenkosten in Hamburg – je nach Maklerbeteiligung – häufig zwischen zehn und fünfzehn Prozent des Kaufpreises. Ein häufiger Fehler ist, diese Summe erst nach der Reservierung zu berechnen, statt sie von Anfang an in die maximale Kaufpreisgrenze einzupreisen. Ebenso wichtig: eine verbindliche Finanzierungszusage der Bank sollte vorliegen, bevor man eine Reservierungsvereinbarung unterschreibt oder ein Gebot bei einer Versteigerung abgibt, da sonst Fristen und Kaufpreise riskiert werden, die sich später nicht mehr decken lassen.

Fazit

Wer in Hamburg eine Wohnung kaufen will, hat also nicht nur die Wahl zwischen verschiedenen Stadtteilen, sondern auch zwischen grundlegend unterschiedlichen Kaufwegen – Neubau oder Bestand, Makler oder privat, klassischer Kauf oder Sonderform wie Versteigerung, Genossenschaftsanteil oder Erbpacht. Jede Option verschiebt das Verhältnis zwischen Preis, Aufwand und Risiko anders. Vor der endgültigen Entscheidung lohnt es sich, die Unterlagen der konkreten Wohnung sorgfältig zu prüfen und die Finanzierung mit einem unabhängigen Berater oder der eigenen Bank durchzurechnen, damit die gewählte Option tatsächlich zur eigenen Lebens- und Finanzsituation passt.

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